Newsletter 2021

Ausgabe 01

In diesem Newsletter:

IM TREND | HOHES POTENZIAL BEIM SERVICE-WOHNEN TREIBT AUCH 2021 DIE NACHFRAGE

IM FOKUS | JOINT VENTURE VON TERRAGON UND AGAPLESION SOLL NEUE SERVICE-MARKTSTANDARDS SETZEN

IM INTERVIEW | STRUKTURWANDEL ALS CHANCE ZUR TRANSFORMATION BETRACHTEN

IM EIGENER SACHE | TERRAGON SETZT EXPANSIONSKURS FORT

IN DER PRESSE | ALTENPFLEGE: MILLIONENPROJEKT AM STAFFELSEE

Editorial

 

von Dr. Michael Held

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dieser Ausgabe unseres Newsletters „Modernes Wohnen im Alter“ ist nun bereits über ein Jahr vergangen seit dem ersten Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie. Dass diese so lange für uns alle allgegenwärtig ist, hätte damals wohl niemand gedacht. Eines haben die vergangenen Monate aber erneut gezeigt: Die Nachfrage nach seniorengerechtem Wohnen ist wichtiger denn je und nimmt weiter dynamisch zu. Die Robustheit und das Wachstumspotenzial der Assetklasse Service-Wohnen und die sich daraus ergebenden Chancen für Investoren belegen verschiedene Studien, die wir in diesem Newsletter beleuchten.

Insbesondere im Premiumbereich des Service-Wohnens besteht eine große Versorgungslücke. Um diese zu schließen und neue Marktstandards in der Servicequalität zu setzen, entwickeln auch wir uns weiter. Ich freue mich, Ihnen einen ganz besonderen Meilenstein unseres Unternehmens zu präsentieren, der im Fokus dieses Newsletters steht. Gemeinsam mit unserem langjährigen Partner AGAPLESION beschreiten wir neue Wege im Wachstumsmarkt Service-Wohnen für Senioren und stellen unsere Zusammenarbeit gleichzeitig auf eine neue Stufe. Mit einer gemeinsamen Service- und Betreibergesellschaft wollen wir die Servicequalität und das Angebot noch verbessern. Im Newsletter erläutern wir die Gründe dafür.

Bei der Betrachtung der Marktentwicklung kommen wir an einem Thema nicht vorbei, dem Strukturwandel unserer Innenstädte. Die Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen wirken wie ein Katalysator, meint Iris Schöberl, Managing Director bei BMO Real Estate Partners, in einem Gespräch für diesen Newsletter. Neue Nutzungskonzepte seien gefragt, um dem wachsenden Leerstand in Innenstädten zu begegnen, in denen auch Wohnen wieder eine größere Rolle spielt.

In diesem Sinne ist es wichtig, auch in Sondersituationen, wie wir sie aktuell erleben, die Zuversicht nicht zu verlieren und den Blick für Potenziale zu behalten. Es lohnt sich.

Ihr Dr. Michael Held

Ihr Dr. Michael Held
Vorstandsvorsitzender
TERRAGON AG

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Im Trend

 

HOHES POTENZIAL BEIM SERVICE-WOHNEN TREIBT AUCH 2021 DIE NACHFRAGE

DAS SERVICE-WOHNEN FÜR SENIOREN BLEIBT EINE DER ATTRAKTIVSTEN ANLAGEFORMEN FÜR LANGFRISTIG ORIENTIERTE INVESTOREN. SOWOHL AKTUELLE STUDIEN ALS AUCH DIE POSITIVE MARKTENTWICKLUNG IN DER CORONA-PANDEMIE BELEGEN DIE ROBUSTEN WACHSTUMSAUSSICHTEN DER ASSETKLASSE.

804.759 Einheiten für Service-Wohnen für Senioren – so hoch ist der Bedarf in Deutschland gemäß einer Studie der Immobilienanalysten von ENA Experts und des internationalen Beratungshauses Drees & Sommer aus dem Januar 2021. Für die Untersuchung zum Investitionspotenzial im suburbanen Raum wurde mithilfe einer Modellrechnung ermittelt, wie hoch der Bedarf nach Service-Wohnungen deutschlandweit ist – und wie er sich in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird. Ein zentrales Ergebnis: Mehr als eine halbe Million Einheiten fehlen, insgesamt gehen die Autoren von einem Investitionspotenzial von bis zu 90 Milliarden Euro bis 2040 aus.

Die Grundlage für den hohen Bedarf an Service-Wohnungen stellt dabei das prognostizierte Wachstum der Bevölkerungsgruppe ab 65 Jahre dar, die um fast ein Viertel (+24,5 Prozent zwischen 2020 und 2060) zunehmen wird. Am stärksten betroffen: der suburbane Raum. Denn es weisen zwar 95 Prozent der deutschen Kommunen eine Unterversorgung mit Service-Wohnungen auf, jedoch ist nicht jeder Siedlungsraum gleich stark davon betroffen. Fast 40 Prozent der Menschen im Alter von 65 oder mehr Jahren leben in sogenannten städtischen Kreisen, also den urbanen Ballungsräumen um die kreisfreien Großstädte (siehe Grafik).

Potenzialregionen vor allem in städtischen Kreisen

Genauso wie die Nachfrage unterscheidet sich auch das Angebot regional zum Teil deutlich. Das Ausmaß der Disparitäten zwischen den etwa 400 deutschen Landkreisen hat Terragon bereits mehrfach in Studien herausgearbeitet. Ein aktuelles Whitepaper aus unserem Hause bestätigt den langjährigen Trend noch einmal für das Premiumsegment: Allein bei den Vier- und Fünf-Sterne-Einrichtungen nach dem Klassifizierungssystem der gif Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung e. V. fehlen bis zu 90.000 Wohnungen.

Zahl der städtischen Kreise
unter den 35
Top-Investitionsregionen

20

Diesen Bedarf können ENA Experts und Drees & Sommer nun also ein weiteres Mal bestätigen – und gleichzeitig regional neu systematisieren. Eine der wesentlichsten Erkenntnisse für Investoren: Die vielversprechendsten Investitionsstandorte liegen mehrheitlich außerhalb der Metropolen – 20 von 35 Top-Kreisen sind der Kategorie „städtischer Kreis“ zuzuordnen. Unter Berücksichtigung regionaler Bevölkerungs- und Wanderungsprognosen kommen sie dabei zum Ergebnis, dass die demografische Alterung und die Siedlungsstruktur zu einem Bedarf von insgesamt etwa 312.000 Service-Wohnungen in den untersuchten suburbanen städtischen Kreisen führen (Details siehe Tabelle).

Siedlungsstruktureller Kreistyp nach Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Bevölkerung 65+ (2018) Bedarf an betreuten Wohnungen (2018) (4,5 % der Bevölkerung 65+)
Kreisfreie Großstadt 4.772.824 214.777
Städtischer Kreis 6.936.404 312.138
Ländlicher Kreis mit Verdichtungsansätzen 3.263.923 146.877
Dünn besiedelter ländlicher Kreis 2.910.381 130.967

Quelle: Suburbia als Investitionsstandort für Betreutes Wohnen?, ENA Experts 2020; Datengrundlage: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2018): Bevölkerung 65plus nach siedlungsstrukturellen Kreistypen 2018. Bonn; Zentraler Immobilienausschuss (ZIA) (2020): Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft 2020 des Rates der Immobilienweisen. Berlin, S. 140.

Bedarf wächst schnell, Investorennachfrage auf neuem Rekordhoch

Wie schnell die Nachfrage wachsen kann, zeigt eine andere beeindruckende Zahl: Um 21,5 Prozent wird der Bedarf an Service-Wohnungen innerhalb der von ENA identifizierten Potenzialregionen allein bis 2030 zulegen. Die sich daraus ergebenden Chancen möchten indes immer mehr Investoren für sich nutzen. Entsprechend litt der Investmentmarkt für Gesundheitsimmobilien nach Zahlen von CBRE im Jahr 2020 nicht unter der Pandemie, sondern verzeichnete im Gegenteil einen neuen Transaktionsrekord. Objekte und Projektentwicklungen für fast 3,4 Milliarden wurden gehandelt – ein Plus von etwa 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Anteil der Subassetklasse Service-Wohnen am Gesamtsegment der Gesundheitsimmobilien

2,2%(2019)
14%(2020)

Auch für 2021 erwarten die Experten eine hohe Dynamik. Das Transaktionsvolumen werde ausschließlich durch das Produktangebot begrenzt. Insbesondere in der Krise habe die defensive und konjunkturunabhängige Assetklasse der Gesundheitsimmobilien ihre Robustheit unter Beweis gestellt. Besonders stark davon profitieren kann aktuell das Service-Wohnen für Senioren, da sich die im Vergleich zu Pflegeheimen geringeren regulatorischen Vorgaben deutlich auf die Investorennachfrage auswirkten, so CBRE.

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Im Fokus

 

JOINT VENTURE VON TERRAGON UND AGAPLESION SOLL NEUE SERVICE-MARKTSTANDARDS SETZEN

TERRAGON und AGAPLESION, einer der größten Gesundheitskonzerne in Deutschland, bauen ihre Zusammenarbeit im Rahmen eines Joint Ventures deutlich aus. Bereits seit über 20 Jahren kooperiert TERRAGON erfolgreich mit dem christlichen Anbieter von Gesundheits- und Pflegedienstleistungen bei der Errichtung und Betreibung von Premium-Wohnanlagen für Senioren. Die beiden Partner wollen nun eine gemeinsame Joint-Venture-Gesellschaft zu einer bundesweit tätigen Service- und Betreibergesellschaft mit eigener Dachmarke ausbauen, das Serviceangebot für Senioren dadurch verbessern und neue Marktstandards in der Servicequalität etablieren. Dafür wird die bereits existierende und in Berlin tätige SWS mbH zukünftig deutschlandweit Generalmieter und Serviceanbieter für die neuen von TERRAGON entwickelten Projekte sein. Sowohl TERRAGON als auch AGAPLESION sind Anteilseigner.

Mit dem Joint Venture wird die Expertise von TERRAGON als Deutschlands führendem Projektentwickler für Service-Wohnen für Senioren mit der Exzellenz in Medizin und Pflege von AGAPLESION verbunden. Neben der Standortwahl und Immobilienqualität ist die Servicequalität die wesentliche Komponente des neuen Premiumangebots. Die gemeinsame Gesellschaft wird voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2021 unter dem Dach einer neuen Premiummarke agieren.

Hoher Bedarf an gehobenem Service-Wohnen – weitere gemeinsame Projekte in Prüfung

Das Joint Venture soll wesentlich dazu beitragen, die enorme Versorgungslücke beim Service-Wohnen für Senioren im Premiumsegment zu schließen, um noch mehr Menschen deutschlandweit ein autonomes Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Das Marktpotenzial ist vorhanden: Nach Analysen von TERRAGON existieren aktuell ca. 30.000 Wohnungen im Premiumbereich in Deutschland, der Bedarf liegt allerdings bei 90.000 Einheiten.

Erste Entscheidungen zu geeigneten Standorten für ein gemeinsames Betreiben sind in enger Abstimmung zwischen AGAPLESION und TERRAGON bereits erfolgt, weitere Standorte befi nden sich in der Akquisition. Die SWS ist aktuell Generalmieter und Serviceanbieter der RESIDENZ SOPHIENGARTEN und Serviceanbieter der RESIDENZ HAVELGARTEN, beide in Berlin. Die Projekte VITALRESIDENZ RIVIERA in Berlin und „Service-Wohnen Am SCHLOSSPARK“ in Ahrensburg mit zusammen über 300 Wohneinheiten sind bereits angemietet. Weitere Projekte mit insgesamt mehr als 800 Wohneinheiten befi nden sich in der Vorbereitung.

DR. MARKUS HORNEBER, Vorstandsvorsitzender AGAPLESION AG

Wir bei AGAPLESION wollen dazu beitragen, dass ältere Menschen in angenehmer Atmosphäre und zugleich sicher ihr Leben genießen können, indem sie aus unterschiedlichsten Dienstleistungen ihr individuelles Paket konfigurieren. Im Moment existieren noch zu wenige Wohnungen im Premiumsegment. Mit dem Joint Venture werden wir einen maßgeblichen Beitrag zur Schließung dieser Angebotslücke leisten, erklärt Dr. Markus Horneber.

DR. MICHAEL HELD, Vorstandsvorsitzender der TERRAGON AG

Gemeinsam mit AGAPLESION wollen wir bundesweit eine Premiummarke im Segment des Service-Wohnens aufbauen und zu den marktführenden Servicegesellschaften aufschließen. Die Sicherung des Serviceangebots an den neuen Standorten durch einen erfahrenen und verlässlichen Partner ist uns sehr wichtig. Und die Sicherheit und Fürsorge für die Bewohner stehen bei AGAPLESION im Mittelpunkt, erläutert Dr. Michael Held.

AGAPLESION

– CHRISTLICHER GESUNDHEITSKONZERN MIT HÖCHSTEN QUALITÄTSMASSSTÄBEN

Die AGAPLESION gemeinnützige AG ist mit über 20.000 Mitarbeitern, mehr als 100 Einrichtungen und einem Jahresumsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro eines der größten Gesundheitsunternehmen Deutschlands sowie einer der führenden Gesundheits- und Pflegedienstleister für Senioren. Aktionäre der Gesellschaft sind verschiedene traditionsreiche Diakoniewerke und Kirchen, dadurch ist AGAPLESION fest in der Diakonie verwurzelt.

Dabei verbindet AGAPLESION eine hohe fachliche Kompetenz in Medizin und Pflege mit einem verantwortungsvollen Management der Einrichtungen. Bereits im Namen spiegelt sich die christliche Identität des Unternehmens wider. Dieser leitet sich aus dem altgriechischen „agapéseis tòn plesíon“ ab und bedeutet: Liebe den Nächsten (aus dem Markusevangelium der Bibel, Kapitel 12, Vers 31). So stehen bei AGAPLESION als diakonischer Anbieter das Wohl der Patienten, Bewohner und Mitarbeiter sowie die Sicherheit und Fürsorge im Mittelpunkt.

Die beiden größten Geschäftsbereiche von AGAPLESION sind Krankenhäuser sowie Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Das Angebot umfasst sowohl die vollstationäre Pflege, seniorengerechtes Wohnen sowie Tages- und ambulante Pflege.

AGAPLESION in Zahlen:

23 Krankenhäuser mit rund 6.300 Betten
40 Wohn- und Pflegeeinrichtungen mit
mehr als 3.500 Pflegeplätzen
885 Betreute Wohnungen
4 Hospize
34 Medizinische Versorgungszentren
16 Ambulante Pflegedienste
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Im Interview

 

STRUKTURWANDEL ALS CHANCE ZUR TRANSFORMATION BETRACHTEN

MW: FRAU SCHÖBERL, MONATELANG WAREN DIE ZENTRALEN EINKAUFSSTRASSEN UNSERER STÄDTE LEERGEFEGT UND DIE GESCHÄFTE GESCHLOSSEN. WELCHE MITTELFRISTIGEN FOLGEN ERWARTEN SIE?

IRIS SCHÖBERL: Unsere Innenstädte befinden sich schon seit einiger Zeit im Wandel – die Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen wirken dabei wie ein Katalysator. Kurzfristig müssen wir leider davon ausgehen, dass uns erstmal ein wachsender Leerstand in den Innenstädten begegnet. Nicht für alle Flächen werden sich unmittelbar neue Mieter fi nden, und so wird man mittelfristig vermehrt auf Interimsnutzungen zurückgreifen und sich an neue Nutzungskonzepte wagen. Dabei wird auch Wohnen wieder eine größere Rolle spielen und für eine stärkere Durchmischung und eine Wiederbelebung der Innenstädte sorgen. Auch vorstellbar ist, dass durch die vermehrte Wohnnutzung der Individualverkehr – zumindest der für E-Mobilität – wieder Einzug in die Innenstädte hält. Dies kann wiederum neue Synergien schaffen und beispielweise die Ansiedelung von Handwerkern und Dienstleistern begünstigen.

Es gibt also nicht nur Grund zur Sorge: Wir sollten vielmehr diesen Strukturwandel als Chance zur Transformation betrachten, welche neues Leben und vielfältigere Optionen in unsere Highstreets bringt.

MW: DER STATIONÄRE HANDEL LEIDET BEREITS SEIT JAHREN UNTER DER KONKURRENZ IM INTERNET: MÜSSEN JETZT STADTPLANER UND KOMMUNEN GRUNDSÄTZLICH NEU DENKEN?

IRIS SCHÖBERL: Die wachsende Online-Konkurrenz, die Umstrukturierung großer Warenhausketten und ein verändertes Einkaufsverhalten – die Shoppingmeilen stecken schon seit längerer Zeit in der Krise. Daher wird es Zeit, die bestehenden Nutzungskonzepte der Innenstadt-Immobilien zu überdenken, Lockerungen von baurechtlichen und -technischen Regelungen zuzulassen, proaktiv das Gespräch mit Investoren zu suchen und vielleicht auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen – als Stadt selbst eine zentrale Immobilie mieten, um Leerstand zu verhindern, Kulturstätten fördern, Pop-up-Konzepte testen. Das Wichtigste ist, aktiv zu werden, statt auszuharren.

MW: LANGE IST DAS WOHNEN EHER AUS DEN INNENSTÄDTEN ABGEWANDERT, INZWISCHEN HAT SICH DIESER TREND WIEDER UMGEKEHRT. WIE KANN ES GELINGEN, DASS HANDEL, SOZIALE INFRASTRUKTUR, DIENSTLEISTUNGEN UND WOHNEN BEI ZUNEHMENDER VERDICHTUNG GUT HARMONIEREN?

IRIS SCHÖBERL: Es gilt, die neuen Mixed-use-Konzepte in die bestehende Stadtstruktur zu integrieren und die „klassische“ Trennung von Einkaufen, Wohnen und Arbeiten aufzuheben. Dabei lässt sich eine Büro- oder Wohnnutzung in den oberen Stockwerken mit Einzelhandel, Gastronomie oder Kultur im Erdgeschoss verbinden. Die daraus entstehenden Synergien führen zu einer lebendigen Durchmischung. Das Konzept der Stadt der kurzen Wege macht die Innenstadt besonders attraktiv für Bewohner, Händler und Dienstleister. Eine Personengruppe, die davon besonders profitieren kann, sind die Senioren: Die Möglichkeit, alltägliche Besorgungen in Laufweite erledigen zu können, wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger.

MW: WO SEHEN SIE DIE BESTEN VORAUSSETZUNGEN FÜR NEUE ANSÄTZE UND KONZEPTE? WERDEN DIE METROPOLEN DIE PERIPHERIE WEITER ABHÄNGEN?

IRIS SCHÖBERL: Insbesondere Mittelstädte bieten Potenzial für neue Ansätze. Die Highstreet ist hier oftmals stärker auf ein Zentrum fokussiert, dessen Kern ein oder wenige große Filialisten bilden. Durch den Wegfall zentraler Ankermieter ist der Handlungsdruck in diesen Städten akuter, aber die Gestaltungsmöglichkeit aufgrund des geringeren Miet- bzw. Preislevels auch realistischer. Insbesondere die Umstrukturierung von nicht mehr bzw. nur teilweise genutzten großen Warenhäusern kann hier als Chance und Impulsgeber verstanden werden, um sich Mixed-use-Konzepten zu nähern.

MW: KÖNNEN KOMMUNEN UND AKTEURE VOR ORT DEN VERLAUF DER TRANSFORMATIONSPROZESSE AKTIV GESTALTEN?

IRIS SCHÖBERL: Das Wichtigste ist, den Wandel der Innenstädte zu akzeptieren und zu erkennen, dass von einer gemeinsamen Lösung alle dauerhaft profitieren können. Investoren, Eigentümer und Politik müssen an einem Strang ziehen und sich für Umnutzungsideen öffnen. Dafür müssen aber auch die notwendigen baurechtlichen und -technischen Grundlagen geschaffen werden. Das Ziel, mehr zu durchmischen, sollte dabei nicht nur auf die Nutzungsarten, sondern auch auf die Personengruppen bezogen werden. Wenn Wohnen und Büro an Wichtigkeit zunehmen, braucht es auch Kitas, Ausbildungsstätten und altersgerechtes Wohnen.

MW: „IMPACT INVESTING“ GEWINNT BEI INVESTOREN ZUSEHENDS AN STELLENWERT. WIE GUT HARMONIEREN DIE THEMEN SERVICE-WOHNEN FÜR SENIOREN UND NACHHALTIGE INVESTITIONEN?

IRIS SCHÖBERL: Für Investoren nimmt neben der Rendite immer häufiger der Mehrwert für die Gesellschaft und die Umwelt eine wichtige Rolle ein. Dabei wird auch das Thema Service-Wohnen immer interessanter. Gleichzeitig sehen Investoren vermehrt Chancen in der Umnutzung von Handelsimmobilien und gestalten ihre Anlageentscheidungen flexibler. Der demografische Wandel und die Leerstände der Innenstädte könnten hier also als Katalysator für eine Lösungsfindung wirken. Auch wenn wir noch keine konkreten Pläne haben, sehen wir die Relevanz dieses Bereichs und eine potenzielle Investitionsmöglichkeit darin.

MW: WELCHEN FOKUS SOLLTEN KONZEPTE HABEN, DAMIT INVESTITIONEN ZUKÜNFTIG NOCH STÄRKER AUF GESELLSCHAFTLICHE MEHRWERTE AUSGERICHTET WERDEN KÖNNEN?

IRIS SCHÖBERL: Besonders interessant sind Mixed-use-Konzepte. Sie decken verschiedene Assetklassen ab, bieten Sicherheit und gleichzeitig die Möglichkeit, in Produkte mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu investieren. Die Nutzungen sollten wenn möglich langfristig funktionieren und nicht in wenigen Jahren schon wieder überholt sein. Die Neustrukturierung des Mieterbesatzes kann bei Mixed-use-Konzepten partiell erfolgen und für einen Lerneffekt auf der Eigentümer- und Kommunenseite sorgen, um die Transformation weiter voranzutreiben. Das Thema Nachhaltigkeit nimmt natürlich ebenfalls einen immer größeren Stellenwert ein und eine stärkere Orientierung an entsprechenden Kriterien ist wünschenswert.

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IN EIGENER SACHE

 

AKTUELLES

TERRAGON SETZT EXPANSIONSKURS FORT

TERRAGON hat die Expansionsstrategie weiter erfolgreich umgesetzt und die Ankaufspipeline auf ein Volumen von rund 900 Millionen Euro ausgebaut. Davon sind aktuell Projekte im Volumen von rund 300 Millionen Euro in der Umsetzung. Für das Jahr 2020 erwartet TERRAGON weiterhin eine deutliche Steigerung der Umsatzerlöse sowie ein positives operatives Ergebnis (EBITDA). Details zum Geschäftsjahr 2020 werden am 30. Juni 2021 bekannt gegeben.

TERRAGON hat den Rohbau eines Teilkomplexes, „Haus San Remo“, im Rahmen der Entwicklung der Vier-Sterne-Residenz RIVIERA in Berlin-Grünau abgeschlossen. Mit dem Innenausbau wird zeitnah begonnen. Darüber hinaus verzeichnet TERRAGON eine hohe Nachfrage von potenziellen Bewohnern aus allen Berliner Bezirken. Für 74 der insgesamt 208 geplanten barrierefreien Wohneinheiten liegen bereits verbindliche Reservierungen vor, sodass erste Mietverträge noch im Jahr 2020 abgeschlossen werden. Die ersten Mieter können ihre Wohnungen voraussichtlich im Oktober 2021 beziehen.

ROTES-KREUZ-GEMEINSCHAFTSPROJEKT „SENIORENCAMPUS“ AM STAFFELSEE IN BAYERN

Gemeinsam mit dem Roten Kreuz realisiert TERRAGON das Projekt „Seniorencampus Staffelsee“ im Landkreis Garmisch-Partenkirchen in Bayern. Dabei entstehen direkt am Staffelsee eine Vier-Sterne-Seniorenresidenz mit insgesamt ca. 150 Service-Wohnungen durch Um- und Neubau sowie ca. 90 stationäre Pflegeplätze und eine ambulante Pfl egeeinrichtung einer Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. Durch dieses Verbundprojekt wird eine umfängliche, bedarfsgerechte Versorgung der Senioren an einem Standort angeboten. Das geplante Projektvolume für TERRAGON beläuft sich auf 87 Millionen Euro.

GROSSES INTERESSE AN SENIORENRESIDENZ RIVIERA IN BERLIN

TERRAGON hat den Innenausbau eines Teilkomplexes der Vier-Sterne-Residenz RIVIERA in Berlin-Grünau gestartet und verzeichnet eine hohe Nachfrage von Wohnungsinteressenten. Erste Mietverträge wurden abgeschlossen und für insgesamt 80 der geplanten 208 Wohnungen liegen verbindliche Reservierungen vor. Voraussichtlich im Oktober 2021 sind die ersten Wohnungen bezugsfertig.

WHITEPAPER ZUM HOHEN INVESTMENT-POTENZIAL IM BEREICH SERVICE-WOHNEN

Zusammen mit dem Vincentz-Verlag hat TERRAGON eine umfangreiche Analyse des Wachstumsmarktes Service-Wohnen für Senioren veröffentlicht. Dabei wurde ein großer Nachholbedarf in diesem Segment identifiziert: Zur Deckung des kalkulierten Bedarfs werden insgesamt ca. 550.000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Insgesamt liegt das Investmentpotenzial bei mindestens 64 Milliarden Euro. Das neue Whitepaper beleuchtet diese starke Unterversorgung in verschiedenen Bereichen und Regionen. Mit zahlreichen anschaulichen Grafiken und Statistiken unterstützt es Investoren dabei, sich zu orientieren und die passende Anlagestrategie im Markt für Service-Wohnen zu finden.

Das Whitepaper „Investieren in Service-Wohnen für
Senioren: Eine Markteinführung“ ist HIER erhältlich.

Zum Anfang des Artikels „In eigener Sache“

IN DER PRESSE

 

ALTENPFLEGE: MILLIONENPROJEKT AM STAFFELSEE

Das Bayerische Rote Kreuz und ein Partner haben in Murnau und Seehausen in puncto Altenpflege Großes vor. Geplant sind Umbauten und neue Gebäude. Im Raum steht ein Investitionsvolumen von insgesamt 60 bis 80 Millionen Euro.

  • Lange Zeit ging nichts vorwärts, doch nun tut sich etwas in Sachen Murnauer BRK-Seniorenheim.

  • Es wird im großen Stil umgebaut und saniert, zudem sollen neue Gebäude errichtet werden.

  • Für das Millionenprojekt hat sich das BRK mit der Terragon AG zusammengetan.

Murnau/Seehausen – Es war ein Paukenschlag, der aufhorchen ließ: 2019 wurde bekannt, dass die Sozialservice-Gesellschaft (SSG) des Bayerischen Roten Kreuzes erwägt, aus dem Murnauer Seniorenheim an der Garhöll ein Hotel zu machen. Von einer Drei- bis Vier-Sterne-Herberge mit bis zu 180 Doppelzimmern war damals die Rede. Im Marktgemeinderat sorgten diese Überlegungen für erhebliche Debatten. Vor allem die angedachte Größe sorgte für Kopfschütteln.

Die Hotelpläne haben sich mittlerweile zerschlagen.
Stattdessen schmiedet die SSG zusammen mit dem Partner Terragon AG andere. Das Seniorenheim soll umgebaut und renoviert werden, um dort künftig Betreutes Wohnen anzubieten. Dr. Michael Held, Vorstandsvorsitzender der Terragon AG, bevorzugt den Begriff Service-Wohnen. Es sollen dort jedenfalls rund 100 Zwei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Bisher sind es 154 Appartements.

Neues Heim mit 90 Betten geplant

Unten am Staffelsee auf Seehauser Flur soll der Bestand abgerissen werden und an selber Stelle ein Gebäude für Service-Wohnen entstehen. 50 Einheiten sind anvisiert. Daneben will die Sozialservice-Gesellschaft ein neues Heim für stationäre Pflege mit etwa 90 Betten errichten. Zudem will man dort einen ambulanten Pfl egedienst etablieren. Auch Mitarbeiter-Wohnungen sind vorgesehen. Ob das ein eigener Baukörper wird, ist noch offen. Das geplante Investitionsvolumen ist gewaltig: Held spricht von insgesamt 60 bis 80 Millionen Euro.

Geschäftsführer: Deutlich attraktiveres Angebot

„Wir sind mit dieser Lösung sehr zufrieden,“ betont SSG-Geschäftsführer Christian Pietig. „Dieses Angebot ist deutlich attraktiver als das, was wir jetzt haben.“ Zu den Beweggründen für die Zusammenarbeit sagt er, dass beide Flächen für die Sozialservice-Gesellschaft „zu groß“ seien. „Wir haben einen Partner gesucht, der eine Fläche erwirbt.“ […]

Dieser Artikel ist beim Münchner Merkur veröffentlicht worden und ist in voller Länge und kostenlos auf der Internetseite des Mediums einsehbar:
https://tinyurl.com/97u75ubm